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Mit Backups den Weltuntergang verhindern

Jeder weiss um die Notwendigkeit einer Datensicherung (und es gibt sogar gesetzliche Pflichten hierzu). Trotzdem machen Spezialfirmen zur Datenrettung nach dem Schadensfall jede Menge Umsatz. Wenn Sie eine kaputtgegangene, verbrannte oder abgesoffene Festplatte dort hinschicken müssen, haben Sie vorher etwas falsch gemacht...

Backupstrategie

Man kann viele schlaue Dinge über Backups lesen und natürlich müssen entsprechende Strategien mit zunehmender Grösse und Komplexität des Systems immer ausgefeilter werden. Aber fangen wir mit der wichtigsten Strategie an: Machen Sie ein Backup!  Das bedeutet: Sorgen Sie dafür, dass all Ihre wichtigen Daten im Verlustfall schnell, vollständig und aktuell wiederhergestellt werden können.

Alles, was diese Wiederherstellung ermöglicht, ist eine effektive Strategie. Was effektiv ist, erschwinglich und für Sie oder Ihre Mitarbeiter nicht unnötig mühsam, ist auch effizient. Fünf USB-Festplatten zu kaufen, den kompletten Datenbestand jeden Tag konsequent mit rsync auf eine dieser Platten zu übertragen und diese Platte dann mit nach Hause zu nehmen, ist durchaus eine einfache und effiziente Strategie.

Keep it simple!

Welche Erwartungen haben Sie an eine Sicherung? Also ausser der, dass Ihre Daten im Schadensfall wiederhergestellt werden können? Viele Anwender wollen das Backup nicht nur für den Katastrophenfall, sondern auch als Archiv benützen können, um z.B. nach einem Bearbeitungsfehler einen alten Projektstand wieder herstellen zu können. Dies ist natürlich möglich, kann aber das Backup und die Rekonstruktion der Daten umständlicher machen.

Wenn Sie mit den Dateisystemen ZFS oder Btrfs arbeiten, brauchen Sie über die Archiv-Geschichte nicht nachzudenken, denn dort ist mit der Snapshot-Funktion die Archivierungsmöglichkeit bereits eingebaut. Zur Versionierung einzelner Projekte ist oft auch ein Versionskontrollsystem wie git hervorragend geeignet - da können Sie sogar im fliegenden Wechsel verschiedene Stände oder Varianten bearbeiten. Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, das Backup auf seine eigentliche Funktion der einfachen Datenkopie zu beschränken und so zu vereinfachen.

Zur Backupstrategie gehört auch die Entscheidung, welche Daten überhaupt gesichert werden sollen und für welche es sich mangels Wert nicht lohnt.

Auch das Betriebssystem und die darin installierten Anwendungsprogramme sollten gesichert werden, um im Fehlerfall eine schnelle Wiederherstellung zu ermöglichen. Windows bietet dazu spezielle eingebaute Funktionen an. Bei Linux kann man das System wie normale Daten auf ein Sicherungsmedium kopieren. Soll es auf eine neue Festplatte übertragen werden, sind ein paar ergänzende Schritte notwendig, um es wieder zum Laufen zu bringen.

Betriebssystem und Software müssen aber nicht in der gleichen Häufigkeit gesichert werden wie die Daten.

Sicherungsmedien

Das klassische Sicherungsmedium, das Magnetband, hat angesichts geringer Geschwindigkeit, umständlicher Handhabung und hoher Kosten an Bedeutung verloren. Für Grossbetriebe, die aufwendige Hardware betreiben, hat die Bandsicherung nach wie vor ihren Sinn. Wer aber als Betreiber eines kleineren Systems seine Backupstrategie neu aufstellen und die Dinge einfach halten will, ist mit externen Festplatten meist gut bedient.

Eine weitere Sicherungsmöglichkeit bleibt oft unbeachtet: In einem Netzwerk mit mehreren Arbeitsplätzen und einem zentralen Dateiserver bleibt oft ein erheblicher Teil der Festplatten der Arbeitsplätze ungenutzt. Man kann diese Kapazitäten für weitere Kopien des Server-Datenbestandes verwenden.

Für kleine Datenmengen kommen auch DVDs als kostengünstige Sicherungsmedien in Betracht.

Wenn man Sicherungen für lange Zeit aufbewahren will, muss man die Lebensdauer der Medien beachten (auch eine DVD hält nur ein paar Jahre) und sicherstellen, dass man noch Geräte behält, die diese Medien lesen können. Eine Stadt in Baden-Württemberg wollte nach der Volkszählung 1987 die Ergebnisse mit derjenigen von 1970 abgleichen. Die alten Magnetbänder hatte man aufgehoben. Leider war die gesamte Hardware zum Lesen dieser Bänder verschrottet worden...

Zeitpunkt

Grundsätzlich sollte eine Sicherung dann erfolgen, wenn alle Anwendungsprogramme geschlossen sind, also niemand mehr damit arbeitet. Ansonsten besteht die Gefahr, das offene Projekte oder Datenbanken nicht korrekt gesichert werden und im Fehlerfall nicht oder nicht vollständig wiederhergestellt werden können. Der Sicherungslauf sollte also möglichst in die arbeitsfreie Zeit verlegt werden, also nach Feierabend oder in die Nachtstunden.

Die Sicherung kann zeitgesteuert durchgeführt werden. Es muss nur sichergestellt sein, dass die entsprechenden Sicherungsmedien eingelegt bzw. angeschlossen sind. Zur Vermeidung überflüssigen Stromverbrauchs und Verschleisses kann man vorsehen, dass sich das System nach erfolgter Sicherung abschaltet.

Natürlich spricht in wirklich überschaubaren Umgebungen nichts gegen eine manuell angestossene Sicherung. Vor allem für Selbständige mit unregelmässigen Arbeitszeiten ist die Festlegung auf eine feste Backupzeit oft schwierig. Allerdings muss man wirklich diszipliniert vorgehen - oder man richtet z.B. die Abschaltroutine des Systems so ein, dass statt des sofortigen Ausschaltens zunächst die Sicherungsfunktion aufgerufen wird.

Datenkopie ausser Haus

Ein Backup soll auch vor Extremfällen wie der vollständigen physischen Zerstörung der Computeranlage oder des Betriebsgebäudes schützen. Wer die Bilder der Hochwasserkatastrophen 2016 in Simbach und anderen Orten gesehen hat, weiss um die Plötzlichkeit solcher Ereignisse. Häufiger, aber nicht weniger zerstörerisch, sind Feuer und Diebstahl.

Es muss also immer mindestens eine aktuelle Kopie der Daten ausser Haus gelagert werden.

Man kann z.B. eine USB-Festplatte mit nach Hause nehmen, bei der Oma einlagern oder ins Bankschliessfach tun (eine durchaus professionelle Methode). Tatsächlich sind all dies Wege, die manche gehen. Allerdings muss dieser Datenträger regelmässig ausgetauscht werden. Irgendwann wird das dann lästig, oder die Bank hat zu, oder die Oma ist im Urlaub, und man fängt an zu schlampen. Und um nochmal das Beispiel Simbach zu bemühen: da wurde auch mindestens eine Bank zerstört, mitsamt dem, was in den Schliessfächern war.

An dieser Stelle sollte man doch darüber nachdenken, als ausser-Haus-Kopie zumindest die wichtigsten Daten einem Online-Speicherdienst anzuvertrauen. Als alleinige Backup-Lösung ist diese Variante aber keinesfalls zu empfehlen, denn man würde seine Sicherheit komplett in die Hände Dritter legen.

Online-Speicherdienste

Online-Speicherdienste sind die radikalste Variante der Datenkopie ausser Haus. Natürlich stellt sich hier die Frage nach dem Schutz der Vertraulichkeit. Allen technischen Vorkehrungen und Datenschutzvorschriften zum Trotz braucht man immer noch ein gewisses Vertrauen in die Seriosität der Anbieter. Der Vorteil der unzerstörbaren Kopie liegt jedoch auf der Hand.

Vorteile:
  • Entfernt vom Betriebsort, physikalisch quasi unzerstörbar
  • Keine eigene Infrastruktur nötig
Nachteile:
  • Verfügbarkeit der Sicherung hängt von Internetverbindung ab
  • Bei schlechter Internetverbindung langsam
  • Zugriffe Dritter auf die Daten sind nicht vollständig auszuschliessen
  • Laufende Kosten
Bedingungen:
  • Datenschutz muss soweit als möglich gewährleistet sein (wg. diesbezüglicher Vorschriften deutsche Anbieter bevorzugen!)
  • Verschlüsselte Datenübertragung muss möglich sein
  • Internetverbindung muss ausreichend schnell sein
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